Bewerten lernen als Ziel naturwissenschaftlicher Bildung im Anthropozän

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Zusammenfassung:

Verantwortungsbewusstes Urteilen und Entscheiden ist ein zentrales Bildungsanliegen allgemeinbildender Schulen. Die Herausforderungen des Globalen Wandels geben einen weitgefassten Werterahmen vor, in dem Menschen sich mit den Fragen menschlichen Verhaltens und Handelns für ein nachhaltiges Anthropozän auseinandersetzen können.
Die existierende naturwissenschaftsdidaktische Forschung befasst sich derzeit überwiegend mit einem rationalistischen Ansatz zur Modellierung bzw. Förderung von Bewertungskompetenz im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung. Diese Herangehensweise wird in der kognitionswissenschaftlichen Forschung als „Rational Actor Model“ bezeichnet. Demnach treffen Menschen ihre Bewertungen und Entscheidungen vorwiegend bewusst und begründet. Neuere Ansätze der Kognitionsforschung weisen jedoch darauf hin, dass diese Reflektiertheit häufig nicht erreicht wird und viele Bewertungen eher auf impliziten  Denkrahmen und -schemata beruhen. Zwei-Prozess-Modelle der Entscheidungspsychologie heben den Stellenwert von Intuition bzw. Emotion bei evaluativen Denkvorgängen des Menschen hervor.
Bildungsvorhaben, die darauf abzielen, Entscheidungsprozesse nicht nur in Labor- sondern auch in Realsituationen zu verändern, sollten in der Folge stärker darauf zielen, wie das Zusammenwirken von bewussten analytischen und unbewussten intuitiven kognitiven Prozessen reflektiert und konstruktiv genutzt werden kann.
Das Dissertationsprojekt verfolgt das Ziel, die Forschung um Perspektiven eines solchen Umgangs mit unbewussten Bewertungsprozessen zu erweitern und Lernenden über den Zugang zu ihren Denkrahmen reflektiertere Bewertungs- und damit Entscheidungsprozesse in Schule und Alltag zu ermöglichen.