Eine Erde für die nächste Generation – Gemeinsam für eine nachhaltige Zukunft

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Zusammenfassung:

Irene Lampert, Projektleitung, Universität Zürich, irene.lampert@uzh.ch

Seit der industriellen Revolution sind die Menschen massgebliche Treiber geo-ökologischer Prozesse geworden – in hohem Tempo verändern wir unsere Erde. Der Klimawandel ist im vollen Gange und noch nie in der Geschichte benötigten wir so viele Ressourcen wie heute. Mit unseren Handlungen gefährden wir nicht nur die Lebensgrundlage von Tieren und Pflanzen, sondern unsere eigene. Wir erreichen die Belastungsgrenzen der Erde und müssen handeln.

  • Vier der neun identifizierten Belastungsgrenzen des Konzept der planetary boundaries sind inzwischen überschritten: Biodiversitätsverlust, Klimawandel, Überdüngung und Landnutzungswandel und die weiteren im kritischen Zustand (Rockström et al., 2009; Steffen et al., 2015).
  • Die vom BAFU in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass die Auswirkungen unseres Konsums sich besonders kritisch auf den Klimawandel, die Biodiversität, die Ozeanversauerung, Überdüngung aber auch Landnutzung auswirken.

Die Umweltveränderungen von heute betreffen unsere Generation von Kindern und Jugendlichen in Gegenwart und Zukunft. Durchgeführte Vorstudien (Lampert, 2016, 2017) zeigten, dass die Jugendlichen geschlechtergemischt ein sehr hohes Interesse an den globalen Umweltveränderungen aufweisen und gerne etwas ändern möchten, aber sich aufgrund fehlender Handlungskompetenz diesen Umweltveränderungen ausgeliefert fühlen. Sie beschreiben eine anhaltende zukünftige Zerstörung der Erde durch die Menschen – Veränderungen seien nicht möglich. Genau bei dieser Hilflosigkeit setzen wir mit unserem Projekt an. Unser Ziel ist den Jugendlichen im Rahmen des Planetary Boundary Guides Kompetenzen zu vermitteln, wie man individuell und gesellschaftlich wirksame Veränderungen auslösen kann– regional bis global. Dabei orientieren wir uns an den überfachlichen Bereich „Bildung für Nachhaltige Entwicklung“ des Lehrplans 21:

  • Die Schülerinnen und Schüler können Stoffe als globale Ressource erkennen und nachhaltig damit umgehen.“ (Lehrplan 21, NT 3.3, Sek. I)
  • Die Schülerinnen und Schüler können die Nachhaltigkeit naturwissenschaftlich-technischer Anwendungen diskutieren.“ (Lehrplan 21, NT 1.3, Sek. I)
  • Weitere Bezüge zu unterschiedlichen Fach- und Kompetenzbereichen auf https://zh.lehrplan.ch/index.php?code=e|200|4).

Zielgruppen

  • SekundarschülerInnen Deutschschweiz
  • SchülerInnen des Gymnasiums Deutschschweiz
  • Lehrpersonen der Sekundarstufe I und II
  • Pädagogische Hochschulen
  • Medien: Wissenschaftliche Zeitschriften, Schulblätter und Lehrerzeitschriften

Gesamtprojekt

Erste Projektphase (2016-2019): Forschung – Was wissen Jugendliche über globale Umweltveränderungen

Das Projekt „Eine Erde für die nächste Generation – Gemeinsam für eine nachhaltige Zukunft“ startete im Januar 2016 mit ersten empirischen Untersuchungen zu Vorstellungen von Lernenden und Wissenschaftlern zum Konzept der planetaren Belastungsgrenzen und somit globalen Umweltveränderungen (Lampert & Niebert, 2019). Die Ergebnisse dieser Untersuchungen dienen als Basis für die Erarbeitung des Planetary Boundary Guides.

  • Mit der Kenntnis über das Vorwissen, den Interessen und den Wissenslücken der Lernenden zu den globalen Umweltveränderungen kann aufgezeigt werden, in welchen Bereichen sie noch nicht über fachlich adäquate Vorstellungen verfügen und welches zusätzliche Wissen nötig ist, um eine tiefgreifende und anhaltende Konzeptrestrukturierung im Sinne der Conceptual Change Theorie durch entsprechende Vermittlungssituationen herbeiführen zu können.

Zweite Projektphase (2019-2023): Entwicklung des Planetary Boundary Guides und Verbreitung von Wissen zu den globalen Umweltveränderungen

Entsprechend der Lernendenvorstellungen wird ein didaktisch aufbereiteter Planetary Boundary Guide mit unterschiedlichen Lernangeboten für Lehrpersonen und Lernende (9 bis 12 Schulstufe) zu den wichtigsten Aspekten der planetaren Belastungsgrenzen erarbeitet. Der PBG basiert auf zwei Hauptteilen: Der erste Teil besteht aus didaktischen Kommentaren und weiterführenden Informationen zu den planetaren Belastungsgrenzen für die Lehrpersonen. Im zweiten Teil wird mit den Jugendlichen an jeder Schule eine Jugendgruppe, die „Planetary Boundary Group“, gegründet, welche mit Hilfe der Lernangebote Werkzeuge erhalten, sich aktiv, konkret und politisch für die Umwelt und somit ihre Zukunft einzusetzen:

  • Jugendliche setzen sich für die Natur ein und übernehmen Verantwortung für ihr Handeln.
  • Jugendliche treten in Kontakt mit ihrer natürlichen Umgebung und der lokalen Bevölkerung und erleben sich als wertvolles Mitglied der Bevölkerung (Zugehörigkeit, Selbstwirksamkeit), welches Wirkungen herbeiführen kann.
  • Grenzen der Belastbarkeit unserer Umwelt bzw. wie viel ist genug?, und Wege für einen ressourcenschonenden Konsum- und Lebensstil konkret erlernen.
  • Aufdecken der Hintergründe für die Überschreitung der Belastungsgrenzen, Erklärung der Zusammenhänge zwischen unseren Alltagshandlungen und deren Auswirkungen auf die Umwelt sowie die Erörterung und das Einübung von umweltschonenden Verhaltensweisen.

Nach Abschluss der Realisierung des Planetary Boundary Guides findet eine kontinuierliche Verbreitung der Erkenntnissen aus der Durchführung und finanziell unabhängige Weiterführung des Projektes statt.

  • Die Erkenntnisse aus der Entwicklung, Durchführung und Evaluation der Lernangebote werden in Unterrichtszeitschriften und internationalen Journalen publiziert sowie an nationalen und internationalen Tagungen präsentiert.
  • Die Erkenntnisse werden für Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen der Sekundarstufe I und II genutzt (kooperierende Hochschulen).
  • Die Durchführung des PBG wird über die Website des WWF Schweiz weiterhin angeboten.
  • Das Angebot wird weiterentwickelt, um auch bspw. interessierte Firmen oder politische Parteien einzubeziehen.
  • Der „Planetary Boundary Guide“ soll über die WWF den weiteren Europäischen Staaten angeboten werden.

Wirkungen

Mit dem Planetary Boundary Guide werden an unterschiedlichen Schulen Jugendgruppen gebildet, welche lernen sich aktiv gegen die globalen Umweltveränderungen einzusetzen, ihre eigenen Verhaltensweisen zu hinterfragen und ihre Mitumwelt über Alternativen für eine nachhaltige Zukunft zu informieren. Anhand der Evaluation des Probedurchlaufs durch die Pre- und Posttests, kann der Kompetenzzuwachs bzw. die Wirkung auf die Jugendlichen durch den PBG gemessen werden. Das Anbieten der Lernangebote des PBGs über die Schulwebsite des WWF Schweiz bewirkt, dass Interessierte einfach verständliche Informationen über die globalen Umweltveränderungen und lösungsorientierte Handlungsmöglichkeit finden, interessierte öffentliche Institutionen (Schulen, Jugendorganisationen) sich über die Durchführung des PBGs informieren und weiterhin das Angebot nutzen können. Die Verbreitung und Nutzung der Erkenntnisse aus der Durchführung und Evaluation der Lernangebote soll bewirken, dass das Bewusstsein über die globalen Umweltveränderungen von der Öffentlichkeit und Entscheidungsträgern, wie Politiker und CEOs, gestärkt wird und zukünftige Lehrpersonen in ihren Kompetenzen für die Umweltbildung gefördert werden.

Unterstützende Angebote für Lehrpersonen auf der WWF Website

  • Gratis Download des Planetary Boundary Guides für Lehrpersonen als Gesamtpaket oder ausgewählt einzelne Lernangebote zu den einzelnen planetaren Belastungsgrenzen (Klimawandel, Biodiversitätsverlust, Ozeanversauerung, Ozonloch, Überdüngung, Wassernutzung, Luftverschmutzung etc.).
  • Weiterführende Informationen zu den planetaren Belastungsgrenzen mit Verlinkungen, Kontaktangaben.